Ihr erinnert euch sicher noch daran, dass zum 3. Geburtstag des Lands der Geschichten eine Fahrt auf die Frankfurter Buchmesse anstand. Das war letzten Samstag, am 15. Oktober.
Ich wusste eigentlich gar nicht so recht, was mich erwartet, als ich am Samstag früh um 7 Uhr den Osiander-Bus in Richtung Frankfurt bestieg. Nach einer zehnminütigen Eingangs-CD wusste ich schon besser Bescheid:
- dass es die Frankfurter Buchmesse schon seit über 500 Jahren gibt
- dass man am Besucher-Samstag dort (bis auf einige Ausnahmen) keine Bücher kaufen kann
- dass Island (das diesjährige Gastland) einen “Pro-Kopf-Buch-Verbrauch” von 8 Büchern pro Jahr hat, in Deutschland liegt dieser Durchschnitt vergleichsweise bei 3 Büchern pro Person.

Mein erster Eindruck vom Messegelände war geprägt durch unzählige Besucherbusse und eine mehrere hundert Meter lange Schlange vor dem Eingang. Trotzdem konnten mein Vater und ich recht zügig ins Messe-Leben einsteigen, in einen der vollgestopften Busse steigen und uns ins Herz der Messe kutschieren lassen.
Zunächst besuchten wir den Stand der “Deutschen Nationalbibliothek” bei den Sachbuchverlagen in Halle 4. Das Gespräch mit den dortigen Mitarbeitern war sehr interessant, zumal ich unbedingt und so bald wie möglich meine eigenen Bücher in der Nationalbibliothek besuchen will! Auch der Druckerei des Trellis-Verlags, GGP Media, statten wir einen Besuch ab und ich sorgte dafür, dass mein Buch – wenn auch nicht in den dortigen Regalen ausgestellt – dort zumindest auf einem Foto verewigt wurde.

Wir waren erfreut über den entspannten Zuschauerfluss, der uns genug Ruhe ließ, gemächlich von Stand zu Stand zu spazieren. Bis wir die Halle 3 betraten. Dort war es voll, stickig und laut. Was uns nicht daran hinderte, uns bis zum Klett-Cotta-Stand durchzubeisen, wo wir Christian von Asters neues Buch “Der letzte Schattenschnitzer“ bewunderten und nette Unterhaltungen führten.

Als nächstes machte ich mich auf zur Signierstunde von Wolfgang Hohlbein. Der Ueberreuter-Stand war bis auf vereinzelte ziellose Kunden menschenleer. Ich erkundigte mich bei einer Mitarbeiterin, bog um eine Ecke – und fand mich am Ende einer ausgewachsenen Schlange von wartenden Hohlbein-Fans. Ich stand mir die Beine in den Bauch, ersteigerte den ersten Band der “Chroniken der Elfen” und ergatterte letztendlich drei Autogramme und ein Foto von mir mit Wolfang & Heike Hohlbein.
Wir lechzten nach frischer Luft und verließen die Halle, um uns über den großen Platz treiben zu lassen. Dort gab es Menschen in den verrücktesten Kostümen zu bestaunen, die sich in Wikinger-Rüstungen oder Manga-Figuren präsentierten. Mittlerweile war das Messegelände so überfüllt, dass alle Cafés bis auf den letzten Platz besetzt waren.
Also besuchten wir als nächstes die internationalen Verlage. Bei den schwedischen Büchern wurde ich schwach, vor allem nach der Erkenntnis, dass ich die Gedichte des Literatur-Nobelpreisgewinners Tomas Tranströmer tatsächlich verstehe. Leider musste ich sie dort stehen lassen … Im Bereich der türkischen Verlage ist dieses Bild hier entstanden:

Das Schicksal war gnädig mit unseren müden Beinen und schwer bepackten Schultern und schenkte uns einen Fenster-Platz in einem kleinen Café, wo das Foto entstanden ist, welches ich euch am Samstag direkt von der Buchmesse schickte.
Um einen Blick auf Walter Moers zu erhaschen (und nach Möglichkeit auch sein neues Buch “Das Labyrinth der Träumenden Bücher” signieren zu lassen), kehrten wir in die Halle 3 zurück. Der Ansturm war so groß, dass ich nicht einmal in Sichtweise des Lesetischs kam, geschweige denn Walter Moers zu Gesicht bekam. Ich kaufte mir das neue Buch, stand eine halbe Stunde halbherzig in der letzten Reihe und erfuhr dann, dass nur einen Auftritt des Hörbuchsprechers geplant war …

Der krönende Abschluss unseres ersten Buchmesse-Ausflugs war die Vorstellung des Gastlandes Island. In einer verdunkelten Halle waren kreuz und quer gigantische Leinwände aufgestellt, über die ein Film von Menschen flimmerte, die einfach nur lasen. Nichts anderes taten, als in ihrem Wohnzimmer, Bett oder Garten Tee zu trinken und zu lesen. Bis einer von ihnen auf einmal seine Stimme erhob und laut zu lesen begann … Es ist wahrscheinlich unnötig, zu erwähnen, dass ich eine waschechte Gänsehaut bekam. Die anhielt, als wir die überlebensgroßen Landschauftsaufnahmen Islands bestaunten, mit ihren Geysiren, einsamen Ebenen, reißenden Flüssen und Schluchten, die aussahen, als hätte jemand mit einer riesigen Axt den Berg gespalten.

Dann war es auch schon Zeit, zu unserem Bus zurückzukehren, der uns sicher zurück nach Reutlingen brachte. In der Nacht zum Sonntag konnte ich nicht schlafen. Mein Herz pulsierte wie wild und schickte mit jedem Herzschlag die Bilder des vergangen Tages durch meinen Körper, bis ich sie vor Augen sah. Ich war von meinen Erlebnissen erfüllt – und bin es bis jetzt. Aber nicht nur wegen des unglaublichen Erlebnisses, an einer solch beeindruckenden Veranstaltung teilzunehmen, sondern auch, weil ich dort einige Gespräche führte, die ich so schnell nicht vergessen werde …

Viele Grüße von einer Lea, die erst einmal warten muss, bis die Empfindungsstürme in ihrem Inneren sich gelegt haben, bevor sie einen weiteren sinnvollen Satz zustande bringt.
