14
Mai

All eyes on: “Dark Canopy” von Jennifer Benkau

   Erstellt von: Lea Melcher   in All eyes on

Dies soll nur ein kurzes Zwischenzwitschern werden, sonst platze ich:

Es gibt sie doch noch. Bücher, die einen Nächte durchlesen lassen. Bei mir ist es fast ein ganzes Jahr her, seitdem das letzte Buch mich dermaßen gepackt hat – die Schachnovelle war schlichtweg zu kurz – dass ich nachts tatsächlich kein Auge zugetan habe und bis zum morgendlichen Vogelgezwitscher gelesen habe.

Die Rede ist, wie der Titel des Artikels unschwer vermuten lässt, von “Dark Canopy“, einer Dystopie für Junge Erwachsene von Jennifer Benkau. Ja, richtig gehört, schon wieder eine Dystopie. Und schon wieder ein hipper englischer Titel, den ich ehrlicherweise nicht auf Anhieb verstanden habe.

“Dark Canopy” bedeutet soviel wie “Dunkles Himmelsgewölbe” und ist der Name einer Maschine, die nur für zwei Stunden am Tag Sonnenlicht auf die Erde lässt. Veranlasst haben dies die Percents, Herrscher über das Land (wohl das ehemalige Großbritannien), in dem die Rebellin Joy aufwächst. So dunkel wie der Titel sind auch der Schauplatz des Romans, die Atmosphäre und das Schicksal der Charaktere, geprägt von Gewalt und Überlebenskampf.
Vom Inhalt möchte ich gar nicht viel mehr erwähnen, schließlich soll dies eine Leseempfehlung werden.

"Dark Canopy" - Jennifer Benkau

Weder die Grundsituation noch “Dark Canopy” selbst sind jedoch der Grund, warum ich diese Empfehlung schreibe, nein, das Herzstück der Geschichte sind zweifelsohne die Charaktere. Nicht nur die Protagonisten Joy und Néel sind mir derartig deutlich vor Augen, sondern auch an die Nebenfiguren erinnere ich mich wie an Personen aus meinem Leben, Menschen, die ich persönlich kennengelernt habe. Freunde.

Auch wenn keinem meiner Freunde ein solches Schicksal wünsche wie den Figuren aus “Dark Canopy – es erscheint mir sogar unangemessen, sie als “Figuren” zu bezeichnen – so konnte ich bei einem Buch endlich mal wieder meinen “Schriftstellerblick” fallenlassen, oder besser, Jennifer Benkau hat die Motive und Entwicklungen der Charaktere so geschickt miteinander verknüpft, dass ich ihnen verfallen bin, ohne etwas davon zu bemerken. Dabei ist es tatsächlich unerheblich, dass die großen Handlungsstränge (besonders die Liebesgeschichte) durchaus erahnbar waren; ich habe sogar das Gefühl, dass mit diesen Ahnungen gespielt wurde, dass Andeutungen stattfanden, welche die Spannungskurve weiter in die Höhe rissen. Erwähnenswert an dieser Stelle ist mein Hang zu düsteren Charakteren (ohne perfektes Erscheinungsbild) wie “Akkarin” aus der “Gilde der Schwarzen Magier”, an den mich Néel zeitweise erinnert.

Besonders gut hat mir außerdem der (scheinbare) Kontrast vieler gleichzeitig ablaufender Handlungsstränge – wie sie bei Romanen für das jüngere Publikum momentan offenbar nicht mehr so hipp sind – und der Kurzangebundenheit der Erzählerin Joy selbst gefallen, die von ihren Erfahrungen mit einer Insensität berichtet, die absolut authentisch wirkt; Mitleidshechelei haben weder Joy noch die Autorin selbst nötig, welche die grausamen Zustände im Land von “Dark Canopy” nicht für eine Heldentat ihrer Protagonisten verzwecklicht.

Ganz zum Schluss möchte ich noch von einem Detail berichten, das es mir besonders angetan hat: Jeder Percent wählt seinen Namen aus einem Buch der Menschen, das sie im Anschluss verbrennen … Das ist ohnezweifel eine Untat, führt jedoch zu amüsanten Kleinigkeiten wie dem Namen eines Percent-Jungen, Edison, der stolz verkündet, nach dem Erfinder der Glühbirne benannt zu sein.

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22
Apr

“Plötzlich das Meer”

   Erstellt von: Lea Melcher   in Gezwitscher

Alles flirrt und pulsiert, alles strotzt, alles fühlt sich intensiviert und wahr an – es wird Sommer. Bei jedem Jahreszeitenwechsel scheint es eine Handvoll Tage wie diesen zu geben, bei denen ich jedes Mal erschüttert und ergriffen bin. Als hätte ich noch nie einen Winter erlebt, noch nie einen Frühling, Herbst oder Sommer wie diesen.

Alles kommt mit einem Mal so nah, so hundertfach vergrößert und entwinzigt im Takt des eigenen Herzschlags. Es hält mich wach, es lässt mich jede Sekunde auskosten, jedes Wort – und ist doch viel zu viel.

Alles ist konzentriert, auf diesen Zeitabschnitt komprimiert, als würde sich ein ganzes Leben darin abspielen. Etwas stirbt, etwas Neues wird geboren, und man erfährt es am eigenen Leib.

Alles wirkt wunderbar, alles ist wunderlich, auf ein Neues, weil Vertrautes auf einmal neugierig macht. Dimensionen verlieren ihren angestammten Platz und wirbeln umher, wie es ihnen beliebt, so scheint es mir, doch vollkommen bestimmt.

Alles will in Erinnerung behalten werden, jede betroffene Sekunde, in der man spürt, dass es bald vorüber ist – zum Glück, wie traurig. Jedes Mal aufs Neue vergesse ich den Zauber, was ihn noch schöner macht.

Alles bewegt sich, alles verändert sich, es geht weiter.

Alles flirrt.

 

(Kennt jemand von euch “Die große Liebe” von Hanns-Josef Ortheil? “Plötzlich das Meer, ganz nah” – damit beginnt der Roman. Es ist genau diese erschreckend überfallende Nähe, die jede Maßeinheit völlig unerheblich werden lässt.)

 

1
Apr

Alles hat zwei Seiten … oder viele.

   Erstellt von: Lea Melcher   in Gezwitscher, News

Ich hab’s getan. Nächste Woche landet die Leseprobe von Sechs (ich habe es vorübergehend auf diesen Namen getauft, weil es mein sechster Roman ist) auf allen möglichen Schreibtischen.
Ach, herrje, ich hoffe, es fühlt sich dort wohl.
Ich hoffe, die ominösen Damen und Herren (sicherlich bebrillt und mit gezücktem Rotstift, abwesend den Papierwolf kraulend) behandeln es gut. Schon jetzt bin ich ein Nervenbündel, dabei sind gerade drei Tage vergangen und nicht die drei Monate, die ich mich mindestens gedulden muss, wie mir gesagt wurde.

Zum Glück gibt es währenddessen eine Menge zu tun. Dieses nämlich:

Hier ist es. 563 Seiten. Nummer sechs.

Ja, ich kreische jedes Mal, wenn ich es sehe, als handelte es sich um ein Katzenbaby und nicht um den ersten (doppelseitig bedruckten) Draft des Buches.
Ich wusste ja, dass es lang geworden ist, aber SO LANG?

Ein bisschen stolz bin ich ja schon, aber vor allem aufgeregt und gespannt darauf, bei Tageslicht zu betrachten, was ich im Delirium fabriziert habe. ;-)

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Einige Stunden später ist mein Kaugummi-Vorrat erschreckend geschrumpft und meine Familie hat fluchtartig das Haus verlassen, nachdem mir aufgefallen ist, dass bei über der Hälfte der Blätter die Seitennummerierung fehlt und ich sie obendrein auch noch auf der falschen Seite gelocht habe!!!
Wenigstens konnte ich mich bei der stupiden Arbeit des Wortübergänge-Testens und Symmetrie-Lochens ein bisschen beruhigen. Nervös bin ich nicht mehr, in der Tat habe ich wenig Nerven für irgendwas übrig.
Trotzdem, nachdem ich ein bisschen auf den Blogs von Maggie Stiefvater und Brenna Yovanoff umhergestiefelt bin (und mich gefragt habe, wann ich endlich den perfekten Schreibpartner finden werde) und Cornelia Funkes Reckless-Blogtour aus dem Jahr 2011 entdeckt habe (es fuchst mich ja schon ein bisschen, dass es so viele wenige wunderbare Schreib- und Schriftstellerblogs auf Englisch geben soll, aber nur eine Handvoll auf Deutsch? Wo sind sie?!), stehen nur noch meine brennenden Augen der Überarbeitung (nein, das Wort ist in diesem Zusammehang zu doppeldeutig, nennen wir es Redaktion, das gefällt mir) im Wege.
Da ich meine Duschzeit für den heutigen Tag schon verbraucht habe, kommen die übrigen Überlebensstrategien zum Einsatz: Schwarztee trinken, Kaugummis kauen und Musik hören (gerade läuft “Captured And Tortured” von Alexandre Desplat aus “Harry Potter 7 Part I” – was will mir meine Playlist damit sagen?) -

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27
Mrz

Von Bärten, Enden und Trompeten

   Erstellt von: Lea Melcher   in All eyes on, Gezwitscher

Da ich die letzten drei Tage im Zuge eines Frühlings-Tiefs im Bett verbracht habe, bin ich endlich dazu gekommen, in meinen Schätzen von der Buchmesse zu schmökern.

Über Die Bestimmung von Veronica Rothunterhaltsam (auch wenn ihre Sprache mir persönlich zu kurz angebunden ist) – bin ich auf den Blog der Autorin gestoßen, der mich ziemlich begeistert hat. Wenn ihr nach Inspiration, Motivation und einer symphatischen Schriftstellerin Ausschau haltet – das heißt, wenn ihr das Land der Geschichten vorerst abgegrast habt ;-) – kann ich euch ihre Internetseite nur empfehlen.

Als Nächstes habe ich mir Sternenfeuer von Amy Kathleen Ryan vorgenommen, ein wirklich außerordentlicher Roman, der mich genau deswegen auch fasziniert. Ich halte ihn für lesenswert, auch wenn ich hinzufügen muss, dass die Geschichte an manchen Stellen ziemlich scheußlich ist. Ein Ende werdet ihr in diesem Roman jedoch nicht finden, so war ich auf der letzten Seite zunächst felsenfest der Meinung, ein Mängelexemplar ergattert zu haben. Kurz gesagt, das war nicht der Fall, weswegen ich die letzten Seiten einfach noch einmal, diesmal als richtiges Ende gelesen habe (ist euch schon mal aufgefallen, dass man Enden und Anfänge von Büchern mit einer ganz anderen Einstellung liest als ein mittleres Kapitel?).

Zuletzt möchte ich euch noch von meinem Kinobesuch am Freitag berichten, der mich – wie nicht schwer zu erraten – in eine Filmvorstellung von “The Hunger Games” (ich mag den englischen Titel einfach lieber) geführt hat. Wider Erwarten ist er ganz anders als erwartet, oder besser: Ich schätze und kritisiere ganz andere Dinge, als ich im Vornherein gedacht hätte. Im Bezug auf Jennifer Lawrence als Katniss hatte ich keine hohen Erwartungen, was mir im Nachhinein wirklich leidtut. Die Twilight-Sülze kann man dagegen doch komplett vergessen, ja, was mir von “The Hunger Games” am stärksten im Gedächtnis verhaftet ist, ist Lawrences schauspielerische Leistung. Selten fühlte ich bei einem Film so sehr die Schmerzen einer Figur, so sehr die Panik und Beklommenheit – dieses Gewicht auf negativen Gefühlen ist in dieser Hinsicht ein bisschen schade, aber alles andere wäre als Buchverfilmung natürlich undenkbar.
Apropos, Buchverfilmung: Ich empfehle jedem, das Buch zu lesen, bevor man sich den Film anschaut, denn obwohl ich die Geschichte kannte, konnte ich die Spannung kaum ertragen.
Nicht so gefiel mir die Umsetzung der Kostüme, die mir vom Buch so bildlich vor Augen standen, und auch die Schauplätze konnten meiner Meinung nach mit den Schauspielern nicht mithalten. Außerdem fehlte mir die “Menschlichkeit” der Mutationen am Ende des Arena-Kampfes – ansonsten finde ich die Ausarbeitung des Romans für die Leinwand gelungen. Auch die zusätzlichen Szenen mit Seneca Crane mochte ich sehr, weil man sich dadurch erst der eigentlichen Bedeutung und Zielführung der Geschehnisse bewusst wird – außerdem habe ich mich sofort in diesen Charakter verliebt ;-) .
Für mich spielt bei jedem Film natürlich die Musik eine entscheidende Rolle. Ich hatte sie mir anders vorgestellt, mehr wie die Begleitung der Filmtrailer. Eine berechtigte Meinung kann ich allerdings erst abgeben, wenn ich das Album mein Eigen nenne, was gewiss in den nächsten Tagen der Fall sein wird …
Sofort positiv aufgefallen ist mir jedoch das Lied “Abraham’s Daughter” von Arcade Fire im Abspann.

Im Übrigen lässt sich über die letzten Tage noch sagen, dass ich mein Herz in Leipzig verloren habe, und dass dieser Umstand in Verbindung mit diesem schrecklich sonnigen Wetter und einem erhöhten Schlafbedürnis meinem Schreiben nicht gerade zuträglich ist.

Liebe Grüße,
Lea

PS: Wie Wes Bentleys Umfeld wohl auf seinen Seneca-Crane-Bart reagiert hat? Ich finde ihn ja todschick!

PPS: Wenn jemandem aufgefallen sein sollte, dass die Trompeten aus der Überschrift im Artikel selbst fehlen – der Wortklang hat einfach so gut gepasst ;-) .

18
Mrz

Glückskeks: Was ich aus Leipzig mitnehme

   Erstellt von: Lea Melcher   in Allgemein, Gezwitscher

"Zukunft: Habe keine Angst, sondern genieß sie. Sie wird sich so gut anfühlen." - Lissa Price

In ein paar Stunden geht mein Flieger zurück nach Stuttgart – die Leipziger Buchmesse ist vorüber. Das sagen mir zumindest meine Füße, das Flugticket und der Geldbeutel. Innerlich werde ich wohl noch ein Weilchen hierbleiben und darauf hoffen, dass ich einen Großteil des Erlebten und Erfühlten in meinen Alltag mitnehmen kann.

Zum Abschluss habe ich den Glückskeks geöffnet, den ich vom Werkzeugs-Stand mitgenommen habe. Die Botschaft gefällt mir schon ziemlich gut – vielleicht sollte ich mir das Buch doch noch zulegen ;-) .

 

17
Mrz

Kaffee umsonst ;-)

   Erstellt von: Lea Melcher   in Gezwitscher

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16
Mrz

Lea im Land der Hobbits

   Erstellt von: Koenig Dickbauch   in Gezwitscher

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14
Mrz

Vorglühen: Leipziger Buchmesse 2012

   Erstellt von: Lea Melcher   in Gezwitscher

Wie ihr euch sicher denken könnt, kommt die diesjährige Leipziger Buchmesse ganz überraschend – weswegen ich auch kaum Zeit habe, euch zu berichten ;-) .
Ich möchte nur die Ankündigung machen, dass es von mir (sofern die Netzmächte es zulassen) über Twitter und auch im Land der Geschichten Eindrücke geben wird.

Auf diesem Weg können auch diejenigen von euch,
die dieses Jahr nicht dabei sein können,
an der Buchmesse teilhaben.

- Ja, ich weiß, nach meinem vorherigen Satz ist das nicht sehr einfühlsam, aber ich bin (innerlich zumindest) schon ganz aus dem Häuschen und kann es gar nicht mehr erwarten, dass es morgen Nachmittag endlich losgeht. Ich hoffe, ich werde viele spannende Lesungen besuchen und eine Menge interessanter und inspirierender Persönlichkeiten treffen! Wenn ich meinen Terminkalender so anschaue, könnte ich Hermines Zeitumkehrer gut gebrauchen ;-) .

Liebe Grüße von einer schlaflosen

Lea

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11
Mrz

16.55: Sprachlos

   Erstellt von: Lea Melcher   in Gezwitscher, News

Eineinhalb Stunden ist es her, dass ich das letzte Wort geschrie(be)n habe.
Ein wahnsinniges Gefühl.

Ich bin sprachlos.


Sara Bareilles – Breathe Again – MyVideo

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3
Mrz

Engstirn-Tage (und wie du ihnen entkommst)

   Erstellt von: Lea Melcher   in Gezwitscher, Inspiration

Wie schnell sich Paradies-Vorstellungen in Horror-Szenarien verwandeln, beweist der heutige Samstag mal wieder erstklassig. Dieses Wochenende ist meiner Geschichte gewidmet, voll und ganz. Um am Morgen munter und unbeschwert in die Tasten hauen zu können, habe ich alles zu Erledigende gestern Mittag abgetragen und sah mich nun vor zwei freien Schreibtagen, denen rein gar nichts im Weg stand.

Außer mir.

Wie es in den meisten Geschichten der Fall ist, begann alles höchst idyllisch. Noch vor dem Frühstück feilte ich am Detailplot für den dritten Manuskriptteil, druckte ihn aus und nahm eine inspirierende Dusche. Ich konnte es gar nicht mehr erwarten, endlich an den Klapprechner zu stürzen, aber um alles perfekt vorzubereiten, begann ich, im Internet nach einem Rezept zu suchen, das ich für den späteren Verlauf brauchte. Plötzlich tauchten an allen Ecken und Enden Fragen auf, die mir unglaublich wichtig erschienen, eigentlich aber schwachsinnig waren (als Beispiel wäre hier mein innerer Konflikt zu nennen, ob Gardinen auch etwas anderes können, als von ihrer Stange zu hängen und dann immer noch starr aussehen … kein Angst, das muss man nicht nachvollziehen.)
Nachdem ich dann auch noch über diverse Interviews stolperte, die vor Schreibwarnungen nur so strotzten und es tatsächlich wagten, einen allgemeinen Wahrheitsanspruch an ihre Ratschläge zu stellen (wenn ich etwas nicht leiden kann, dann das!!!) … und schon lauerte der allseits bekannte “Mumpitz” (der Name erschien mir irgendwie passend) hinter meiner Zimmertür.
Irgendwann um die Mittagszeit hatte ich dann genug davon, im Viertelstundentakt sinnlose Satzbruchstücke zu produzieren, und änderte meine Taktik. Mit den Jahren habe ich herausgefunden, dass meine Schreibprobleme in den seltensten Fällen aus meiner Geschichte herrühren, sondern meistens mit etwas anderem zusammenhängen – mit unerfüllten Aufgaben, zu wenig Tee, dem Wetter, zu wenig Tee, Bauchschmerzen, zu viel Tee – oder eben mit dem Bewusstsein, den ganzen Tag Zeit zu haben. Für gewöhnlich erledige ich Anstehendes sofort und bin regelrecht süchtig nach dem wunderbaren Gefühl getaner Arbeit, aber für das Schreiben gilt das nicht. Denn schreiben ist so wenig Arbeit, wie es keine Arbeit ist – womit ich sagen will, dass es keinenfalls in eine solche Kategorie eingeordnet werden könnte. Beim Schreiben gibt es für mich keine zu erledigenden Aufgaben, denn ich hasse es, meine Geschichte in Einzelgeschehnisse zu zerhacken, weil die wichtigen Prozesse im Inneren stattfinden und niemals ein Ende nehmen ….

Aber ich schweife ab. Die Frage, die ich mir um 14:17 stellte, war folgende: Was macht dich glücklich?

 

Oder weniger dramatisch ausgedrückt: Was willst du erreichen und was musst du tun, um dorthin zu kommen?
Die Tatsache, dass ich den gesamten Morgen für diese simple Fragestellung brauchte, war bezeichnend für meinen dämmrigen Zustand. Meine erste Antwort war SCHREIBEN, aber ich habe es längst aufgegeben, dieses übermächtige Wort als Ganzes zu betrachten. Tatsächlich wollte ich den dritten Part meines Manuskripts beginnen. Und will es noch immer, denn noch sitze ich in Unterwäsche an meinem Schreibtisch und berichte euch von meiner großartigen, phänomenal genialen Erkenntnis.

Dazu kam es folgendermaßen:

Ich zwang mein eingerostetes Hirn zu dem Geständnis, dass ich momentan NICHT in der Lage war, etwas halbwegs Sinnvolles zu Papier zu bringen. Von da an war es nur noch ein Katzensprung zur Formulierung kurfristiger Ziele, mit denen ich die Situation retten konnte.

1. ein freier Kopf

Ob ihr es glauben wollt oder nicht, habe ich mir zum ersten Mal seit winterlangen Monaten meine Turnschuhe geschnappt und bin durch die Straßen gedüst (deswegen auch die Unterwäsche). Ich war erstaunlich gut in Form und da das faktisch gesehen nicht der Fall ist, beweist mein Jogging-Trip nur wieder einmal, wie sehr der gute Wille zählt. Weil ich hier sitze und diesen Beitrag tippe, könnt ihr davon ausgehen, dass dieser Tipp gewirkt hat.

2. Tee

Das Wundermittel für alle Lebenslagen – der Wasserkocher brodelt in der Küche …

3. Neubeginn

Heute werde ich etwas ausprobieren. Wie gesagt, habe ich vorhin schon mal ein paar Sätze gekritzelt – ich nenne es nicht einmal schreiben, denn an etwas “Geschriebenes” habe ich einen gewissen Qualitätsanspruch. Also werde ich, bevor ich fortfahre, die Löschen-Taste betätigen und einen zweiten Entwurf schreiben. Das ist eine grauenhafte Vorstellung für mich, so viel Arbeit, so viel Mühe, einfach ins Nichts zu stoßen – aber die Mühe merkt man meinen Worten so sehr an, dass die traumhafte Vorstellung eines Schriftstellerdaseins für mich nicht mehr vertretbar wäre. Dabei gibt es solche Momente durchaus, aber ich warne euch: Sie machen süchtig!

4. Vergleiche dich nicht mit anderen

Wisst ihr eigentlich, wie viele Internetseiten sich damit beschäftigen, welche Wortanzahl der perfekte Roman haben muss, und ob es Sinn macht, jeden (und wirklich jeden Tag) zu schreiben. Einerseits kann das ganz interessant und inspirierend sein, aber nur, wenn du wirklich nach Antworten suchst, und dich nicht – wie ich – vor dem Anfangen drückst, denn das zieht dich nur noch weiter runter. Es gibt keinen einen richtigen Weg, wie ein Manuskript entstehen, wie oft es überarbeitet, oder wie viele Adjektive ein Satz NICHT haben sollte. Jede Geschichte entsteht auf ihre eigene Weise, und genauso wenig, wie zwei Schrifsteller ein und dieselbe Person sind, muss die eine Herangehensweise für den anderen erfolgreich sein. Der Entstehungsprozess deines Buches begründet sich doch auf nichts anderem als das Buch selbst – auf Erfahrungen, Reaktionen und der Fähigkeit, daraus zu lernen. Ich finde, du solltest dir diese Chance geben.

Genau das werde ich jetzt tun.

Puh, die nächste Lebenskrise scheint überstanden! Wenn ich diesen Eintrag lese, fällt mir auf, dass ich mal wieder maßlos übertrieben habe. Horror-Szenarien, pff! Aber es entsprach meinem gegenwärtigen Schreibstil ;) .

PS: Ich habe mich letztendlich doch dafür entschieden, meine Gardinen hängen zu lassen!

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